Am Rijksweg in Kruiningen gibt es ein besonderes Denkmal: eine Flutmarke, die an den höchsten Wasserstand während der Flutkatastrophe von 1953 erinnert. Diese Markierung zeigt an, wie hoch das Wasser hier gestiegen ist, und ist eine greifbare Erinnerung an eines der einschneidendsten Ereignisse in der Geschichte Zeelands.
In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 verursachte ein schwerer Nordweststurm große Probleme an der Küste von Zeeland. An mehreren Stellen brachen die Deiche, so dass das Wasser mit ungeheurer Wucht ins Land strömte. Als ob das nicht genug wäre, folgte am Sonntagnachmittag, dem 1. Februar, eine zweite Flut. Diese sogenannte zweite Flut ließ das Wasser im Polder von Kruiningen noch weiter ansteigen. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Kruining, Rinus Le Clerq, berichtete später, dass der durchschnittliche Wasserstand im Polder an diesem Nachmittag etwa 3,66 Meter über NAP lag. Damit erreichte das Wasser eine Höhe, die für viele Anwohner völlig unerwartet war.
Die aktuelle Hochwassermarke an der State Road wurde 2012 angebracht. Ursprünglich war es an der Fassade eines Geschäfts angebracht, das hier bis 2010 stand. Der damalige Eigentümer dieses Grundstücks, der Fotograf Adri Verschoore, ließ die Markierung anfertigen, um den höchsten Wasserstand zu visualisieren. Seinen Messungen zufolge stand das Wasser zu diesem Zeitpunkt 3,80 Meter über der Straßenmitte, während das Straßenniveau etwa 0,20 Meter unter NAP liegt. Als das Gebäude abgerissen wurde, blieb die Flutmarke erhalten und erhielt einen neuen Standort an der Nationalstraße. So bleibt die Erinnerung an die Katastrophe für jeden sichtbar, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad vorbeikommt.
Die Folgen der Katastrophe waren schwerwiegend. In Kruiningen und den umliegenden Poldern starben 58 Menschen. Viele Bewohner wurden von dem schnell ansteigenden Wasser völlig überrumpelt. An die Opfer erinnert das Denkmal von Jan Wolkers, das 1957 im Garten der Johanneskerk in der Burgemeester Elenbaasstraat aufgestellt wurde. Seit 2013 stehen auf dem Sockel des Denkmals auch die Namen aller Opfer.
Der Fotograf Adri Verschoore, der einst das Flutzeichen in Auftrag gab, spielte auch auf andere Weise eine wichtige Rolle bei der Bewahrung dieser Geschichte. Er hielt die Ereignisse rund um die Katastrophe in Fotografien fest und hinterließ eine umfangreiche Sammlung von Bildern. Heute sind diese Fotos eine wertvolle Erinnerung an die Tage, als das Wasser das Leben in Kruiningen dramatisch veränderte. Sie zeigen, wie groß die Auswirkungen der Katastrophe waren, aber auch, wie stark die Gemeinschaft danach weitergemacht hat.